Fachärzte für Innere Medizin, Allergologie, Pneumologie und Schlafmedizin
23.12.2013

Wie Schlafentzug bei Depressiven wirkt

Mit bildgebenden Technologien konnte das Zusammenspiel diverser depressionsrelevanter Hirnregionen beim Schlafentzug gezeigt werden - Neuer möglicher Therapieansatz

Schlafentzug wirkt bei der Bekämpfung von Depressionen. Bei der Therapie durch Schlafentzug kommt es zu Umstrukturierungen in Hirnarealen, die bei Depressionen eine Rolle spielen. Das haben Forscher der Universität Zürich mit bildgebenden Technologien laut einer Studie in "PNAS" herausgefunden.
Bekannt ist bisher, Stoffwechselveränderungen in den beiden Hirnregionen Anteriorer Cingulum (überaktiv) und Dorsolateraler Präfrontalkortex (unteraktiv) stehen in Zusammenhang mit depressiven Symptomen.
Weiter weiß man, das bei Depressionen eine übersteigerte Verknüpfung diverser Hirnnetzwerke über den Dorsal Nexus besteht.
Darauf aufbauend wurde eine Veränderung der Netzwerkverknüpfungen über den Dorsal Nexus als möglicher Biomarker für antidepressive Therapien vorgeschlagen. Das konnten die schweizerischen Forscher jetzt mit bildgebenden Methoden bestätigen.
Sie verabreichten gesunden Probanden das kurzwirksame Antidepressivum Ketamin und stellten eine verminderte Verknüpfung über den Dorsal Nexus fest. In der Studie wurden die Veränderungen des Dorsal Nexus und des Ruhenetzwerks gemessen.
Dafür kombinierten die Studienautoren die fMRT (Magnetic Resonanz Tomografie) mit dem EEG (Elektroenzaphalogramm).
Sie untersuchten eine Gruppe gesunder Probandinnen mit und ohne Schlafentzug. "Es zeigte sich, dass Schlafentzug zu einer Verringerung der Verknüpfungen zwischen dem Ruhenetzwerk und dem Anterioren Cingulum führte", erklärt Studienleiter Erich Seifritz.
Zudem kam es laut den Angaben zu einer verstärkten Verknüpfung zwischen dem Dorsal Nexus und dem Dorsolateralen Präfrontalkortex. Auf der Netzwerkebene bedeute dies einen Ausschluss von Arealen, die vor allem für emotionale Prozesse zuständig sind, bei gleichzeitiger Rekrutierung von Arealen, die kognitive Kontrollvorgänge vermitteln.
"Dies ist ein spezifischer Biomechanismus des Schlafentzugs, der gerade bei jenen Patienten therapeutisch wirken könnte, die – wie in älteren Untersuchungen gezeigt wurde, eine Überaktivität des Anterioren Cingulum und eine Unteraktivität des Dorsolateralen Präfrontalkortex aufweisen", so Seifritz.

 Quelle: PNAS