Fachärzte für Innere Medizin, Allergologie, Pneumologie und Schlafmedizin
06.01.2014

Resistenzmechanismus von Pneumokokken entschlüsselt

Neue Überlebensstrategie der Erreger gefunden - Ansatz zur Entwicklung neuer Impfstoffe

Deutsche und spanische Forscher konnten nachweisen, dass sich ein Proteinkomplex auf der Oberfläche von Pneumokokken den Angriffen des Immunsystems über ein extrazelluläres Elektronentransportsystem widersetzt. Dabei werden beschädigte Proteine wieder repariert und bleiben somit aktiv.
Damit konnte ein weiterer Resistenzmechanismus bei Pneumokokken identifiziert werden. Die Arbeit erschien in "EMBO".
In der Studie konnten die Wissenschaftler von der Universität Greifswald und des Institute of Physical Chemistry "Rocasolano" (IQRF) in Madrid einen Proteinkomplex aufklären, der die Pneumokokken vor oxidativem Stress schützt und oxidierte Proteine repariert.
Reaktive Sauerstoffspezies der Immunabwehr schädigen bakterielle Proteine, die entweder inaktiv werden oder durch anti-oxidative Systeme wieder repariert werden müssen. Da Pneumokokken selber auch hohe Mengen an reaktivem Wasserstoffperoxid produzieren, ist ein "Selbstschutz" notwendig.
In der Arbeit konnte gezeigt werden, dass zwei unabhängig voneinander produzierte Thioredoxinproteine zu diesem System gehören. Erst wenn eines der beiden Proteine fehlt, wird der Erreger empfindlicher gegenüber hohen Sauerstoffkonzentrationen.
In in vivo-Versuchen konnten die Wissenschaftler außerdem erklären, dass dieser Proteinkomplex für eine erfolgreiche Infektion und das Entstehen einer Pneumonie notwendig ist. Die Proteine sind in identischer Form auf der Oberfläche aller Pneumokokken vorhanden.
In weiteren Studien soll nachgewiesen werden, inwieweit diese Proteine Zielstrukturen für neue antimikrobielle Therapien oder Impfstoffentwicklungen sein können.