Fachärzte für Innere Medizin, Allergologie, Pneumologie und Schlafmedizin
21.10.2013

Probiotika zur Immunstimulation

Probiotika können sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern die Zahl der Infekttage senken. Die Effekte sind zwar mild, aber über mehrere Studien konsistent.
Wenn Kleinkinder immer wieder mit Infekten vorgestellt werden, dann muss es sich nicht gleich um einen angeborenen Immundefekt handeln. Nach der Erfahrung von Prof. Markus A. Rose (Frankfurt/Main) lautet die wichtigste Frage: „Gibt es ein Geschwisterkind im Kindergartenalter?“ Denn Kindergartenkinder sind eine häufige Ansteckungsquelle, und zwar nicht nur für ihre Geschwister, sondern auch für die Eltern. So ist auch das Phänomen zu beobachten, dass Eltern von Kindergartenkindern häufiger Erkältungen durchmachen als gleichaltrige kinderlose Erwachsene.
Nichtsdestotrotz wird man in solchen Fällen oft mit der Frage konfrontiert, ob man nicht etwas für sein Immunsystem tun könne. Ein bisschen offenbar schon, wie die Studienlage zu Probiotika zeigt.
Erste Daten zur antimikrobiellen Wirkung von Probiotika wurden bereits 1987 publiziert. Damals fand man heraus, dass bestimmte humane Laktobazillen (LGG) inhibitorische Substanzen gegen häufige Pathogene (z.B. Strepto- oder Enterokokken) produzieren und so den Wirt im Kampf gegen Infektionen unterstützen.
In einer finnischen placebokontrollierten Studie erhielten 282 Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren über sieben Monate probiotisch angereicherte Milch. In der Verumgruppe kam es zu einer signifikanten Verringerung der Atemwegsinfekte, der Antibiotika-Behandlungen sowie der krankheitsbedingten Fehltage im Kindergarten.
Die Wirkung probiotischer Säuglingsnahrung im Hinblick auf Infektionen in Kinderkrippen wurde in einer anderen Studie untersucht: Hier reduzierte der Stamm L. reuteri Fieberschübe, Arztbesuche, Antibiotikaverbrauch sowie Fehltage in der Kita.
Dass eine solche Infektprophylaxe auch bei Erwachsenen funktioniert, machte eine placebokontrollierte Studie deutlich, in der 60 Frauen ohne Grippe-Impfung drei Monate lang im Spätwinter Probiotika plus Vitamine oder Placebo erhielten. Die Inzidenz akuter respiratorischer Infekte wurde in der Verumgruppe um 13,6 %, der Symptomscore für Erkältungen um 19 % und der für Grippe um 25 % reduziert. Die Zahl der Fieber-Tage nahm um 54 % ab.
In einer weiteren Studie wurde bei Senioren, die mit LC1 angereicherte Milch erhielten, im Vergleich zu Placebo eine signifikante Abnahme der Krankheitstage belegt.
Probiotika zeigen also in allen Altersgruppen positive Effekte, so das Fazit von Prof. Rose.
Quelle: M. Rose: „Kann man nicht was für die Abwehr tun?“