Fachärzte für Innere Medizin, Allergologie, Pneumologie und Schlafmedizin
11.11.2013

"Kifferbronchitis": Lungenschäden bei Cannabiskonsum

Der langjährige Konsum von Cannabis kann zu schweren Lungenschäden mit Bluthusten ("Hämoptysen"), Lungenemphysem und Lungenkollaps ("Pneumothorax") führen.
Erste Beobachtungen stammen aus der Schweiz – dort fiel am Inselspital Bern die Häufung von Fällen mit ausgeprägtem bullösen Lungenemphysem und fortgeschrittener Zerstörung des Lungengewebes bei jungen Menschen auf. Unter den Betroffenen wurden 17 Cannabis-Langzeitkonsumenten identifiziert – sie hatten im Schnitt über 8,8 Jahre täglich sechs Joints geraucht, zusätzlich zu ihren Zigaretten. Welche der inhalierten Substanzen für die schwere Lungenschädigung verantwortlich ist, blieb unklar. Doch den Wissenschaftlern fielen damals die Cannabis-Fasern in der Lunge auf, die aus dem ungefilterten Rauch direkt in die Atemwege gelangen und dort als Entzündungsherde wirken.
Dr. Carmen Röder (Halle) und ihre Mitarbeiter wurden nun mit einem ähnlichen Fall konfrontiert und berichteten darüber anhand eines Posters: Ein19-jähriger, sozial gut integrierter Mann stellte sich wegen Hämoptysen vor. Die Anamnese war unauffällig – bis auf einen erheblichen Nikotinabusus und den Gebrauch von täglich einem Gramm Cannabis.
Neben einem nachweisbaren Grenzbefund zum Lungenemphysem fielen endoskopisch kleine Fremdkörper in allen Arealen der Atemwege auf. Mittels der bronchoalveolären Lavage gelang der Nachweis fetthaltigen Materials, und histologisch fand sich neben den typischen Rauchermakrophagen auch fasriges Material. Für eine Aspiration gab es aber keine anamnestischen Hinweise.
Da das in Deutschland erhältliche Cannabis neben Schimmelpilzen und Bakterien auch Streckmittel wie Fett, Öl, Sand, Glas, Wachs, Blei und Brix (eine zum Strecken verbreitete Art von Flüssigplastik) enthält, ergaben die Befunde durchaus Sinn und wurden als Folge des chronischen Cannabis-Konsums gewertet.
Aktuelle Statistiken zum Cannabiskonsum der Allgemeinbevölkerung liegen insbesondere aus der Schweiz, Österreich und Frankreich vor. Demnach liegt das Einstiegsalter bei 12 bis 13 Jahren. In der Schweiz haben 34 % der Schüler und 27 % der Schülerinnen bereits Erfahrungen mit Cannabis-Konsum, bei den 25- bis 29-Jährigen sind es bereits 47 % der Männer und 28 % der Frauen. In Frankreich haben 59 % der Männer und 43 % der Frauen im Alter von über 18 Jahren entsprechende Cannabis-Erfahrungen.
Die Zahlen für Deutschland liegen etwas niedriger mit 3,3 % der 14- bis 17-Jährigen und 13 bis 25 % in der Gesamtbevölkerung. Aufgrund des hohen Anteils an Cannabis-Konsumenten in einer zunehmend globalen Welt wollen die Wissenschaftler aus Halle mit ihrer Kasuistik die Diskussion anregen, ob sich die Pneumologie der Problematik des Cannabisrauchens stellen müsse.
Quelle: C. Röder et al.