Fachärzte für Innere Medizin, Allergologie, Pneumologie und Schlafmedizin
30.12.2013

Innere Uhr beeinflusst Wirkung von Krebsmedikamenten

"Chronotherapie" berücksichtigt individuellen Biorhythmus - Mit Biomarkern dem optimalen Zeitpunkt auf der Spur

Manche Menschen sind früh morgens aktiv, andere blühen erst am Abend auf, weil die innere Uhr bei jedem anders tickt.
Mediziner haben nun herausgefunden, dass Chemotherapie-Medikamente effektiver sind und weniger Nebenwirkungen haben, wenn man sie den Patienten nach dem individuellen Biorhythmus zur richtigen Tageszeit verabreicht. Das erklärte Francis Levi vom Hopital Paul Brousse in Villejuif (Frankreich) am Rande des Symposiums "Time – how nature sets the clock" am Campus Vienna Biocenter im Gespräch mit der APA.
"Jede Zelle in unserem Körper hat eine eigene Uhr, die aus Genen und Eiweißstoffen aufgebaut ist und im 24-Stunden-Rhythmus Prozesse wie den Stoffwechsel und die Zellteilung regelt", sagte Levi.
Diese Uhren werden vom Suprachiasmatischen Nucleus gesteuert, der wiederum durch Licht, die persönlichen Gewohnheiten, die Ernährung und andere Umweltfaktoren beeinflusst wird.
"Wir haben beim Vergleich von klinischen Studien herausgefunden, dass die Chronotherapie im Vergleich zur Standard-Chemotherapie die Überlebensraten bei Männern mit Darmkrebs um das Dreifache erhöht", so der Mediziner. Bei Frauen habe man aber keinen Vorteil gesehen.
"Deswegen müssen wir die Therapie bei jedem einzelnen Patienten auf die persönliche innere Uhr abstimmen", sagte er. Doch derzeit könne man die beste Zeit für die Einnahme von Medikamenten nur nach dem Bevölkerungs-Durchschnitt abschätzen.
Darum untersuchen die Mediziner nun Biomarker. Bei Mäusen haben sie herausgefunden, dass man nur die Aktivität von zwei Genen, die zur inneren Uhr gehören, beobachten muss, um den optimalen Zeitpunkt zu finden, an dem Medikamente verabreicht werden sollten, so Levy.
Er unterschied sich je nach dem Geschlecht und dem genetischen Hintergrund der Tiere um bis zu acht Stunden. "Die Chronotherapie ist noch nicht sehr verbreitet, weil viele Leute skeptisch waren, dass der Zeitpunkt der Verabreichung so viel ausmacht", erklärte er. Außerdem brauche man spezielle Geräte, um den Biorhythmus der Patienten bestimmen zu können.
Die Kosten dafür würden sich aber bald rentieren, weil die Chronotherapie bei mehr als sechs Chemotherapie-Zyklen günstiger ist, als die konventionelle Verabreichung.
"Die Patienten müssen weniger lang im Krankenhaus versorgt werden", so Levi.